Finanzierungsumfrage zeigt: Bankenfinanzierung auf dem Tiefstand

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Strenge Kreditvorgaben, lange Bearbeitungszeiten, mangelnde Unabhängigkeit: Die klassische Bankenfinanzierung ist längst nicht mehr so beliebt, wie sie einmal war.

Das geht aus der aktuellen Finanzierungsumfrage von WKÖ und aws hervor. Demnach befindet sich die Finanzierung durch Bankkredite bei österreichischen Unternehmen aktuell auf einem Tiefstand. Stattdessen erfreuen sich bankenunabhängige Finanzierungsalternativen immer größerer Beliebtheit.

Bankenfinanzierung auf dem Tiefstand

Immer weniger Unternehmen finanzieren sich über den klassischen Bankkredit. Zu diesem Ergebnis ist die aktuelle Finanzierungsumfrage von WKÖ und aws gekommen, an der rund 2500 österreichische Unternehmen teilnahmen. Die Umfrage wird bereits seit dem Jahr 2010 jedes Jahr durchgeführt. Dazu werden Unternehmen vom Marktforschungsinstitut marketmind zu getätigten Finanzierungen und Finanzierungsquellen befragt. Die aktuellen Umfrageergebnisse belegen: Die Bankenfinanzierung sinkt seit drei Jahren kontinuierlich und hat mit einem Wert von 22,4 Prozent unter den Befragten den absoluten Tiefpunkt seit Beginn der Finanzierungsumfrage im Jahr 2009 erreicht.

Gründe für die geringe Bankenfinanzierung

Doch warum ist die Bankenfinanzierung so unbeliebt? Das liegt einerseits daran, dass der Kreditnehmer sich oft über viele Jahre an die Bank bindet und somit nicht komplett unabhängig agieren kann. Außerdem ist die Ratenzahlung auch dann fällig, wenn es im Unternehmen mal nicht so gut läuft und das Geld eigentlich in viel wichtigere Dinge investiert werden müsste. Auch steht das Kapital nur für einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung.

Zwar stehen die Bedingungen für die Bankenfinanzierung in Zeiten der anhaltenden Niedrigzinspolitik nicht gerade schlecht. Die Banken beschränken sich aber größtenteils darauf, bonitätsstarke Unternehmen aus der gehobenen Mittelschicht mit finanziellen Mitteln zu unterstützen. KMU wird der Kredit meist hingegen verwehrt. Als Hauptursachen gelten fehlende Sicherheiten und mangelnde Bonität. Das bekommen insbesondere Start-ups und junge Unternehmen zu spüren. So finanzierten sich Unternehmen mit Gründung ab 2011 besonders selten über Bankkredite. Waren es im Jahr 2017 noch 15,4 Prozent, die die Bankfinanzierung für Investitionen wählten, nutzten 2018 gerade einmal 9,1 Prozent der seit 2016 gegründeten Unternehmen den klassischen Bankkredit.

Alternative Finanzierungsformen immer beliebter

Im Gegensatz dazu steigt das Interesse an der Finanzierung mit Eigenkapital deutlich an. Hier lässt sich eine Zunahme von 25,6 auf 38,6 Prozent beobachten. Auch Cash Flow erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, wenn auch dieser Wert von ehemals 38,7 Prozent im Jahr 2017 auf 26,5 Prozent im Jahr 2018 sank. Dieser Trend zeigt sich auch im Gesamtüberblick aller Unternehmen. Während die Bankenfinanzierung seit einigen Jahren sinkt, wächst das Interesse an bankenunabhängigen Finanzierungsalternativen kontinuierlich. Dazu zählen auch Finanzierungsformen wie Crowdfunding, Venture Capital und Mezzanine. Während innerhalb des letzten Jahres nur ein leichter Anstieg an den tatsächlich genutzten alternativen Finanzierungsformen verzeichnet werden konnte, scheint das Interesse aber durchaus vorhanden zu sein. So planen rund 20 Prozent der Befragten, in Zukunft alternative Finanzierungsformen zu nutzen. Dabei sollte auch Factoring ausreichend Beachtung finden.

Investitionstätigkeiten 2018 auf Rekordniveau

Von einer verhaltenen Investitionstätigkeit der österreichischen Unternehmen kann im Jahr 2018 keinesfalls die Rede sein. So wurden insbesondere viele mittlere und größere Investitionen getätigt. Der Anteil stieg hier von 32,3 auf 37,8 Prozent an. Damit erreichten diese ein Rekordniveau seit 2009. Auch 2019 planen die österreichischen Unternehmen eine weitere Zunahme ihrer Investitionstätigkeiten. In diesem Zusammenhang ist sogar von einem Anstieg auf 45,8 Prozent die Rede.

Trotz allem belegt die Finanzierungsumfrage allerdings, dass die Unternehmen gerne weitere Investitionen getätigt hätten. 14,3 Prozent gaben an, dass sie trotz bereits erfolgter Investitionen gerne noch mehr investiert hätten. Und 18,4 Prozent der Befragten konnten trotz Investitionswunsch keine Investitionen tätigen. Als Hauptgrund für die ausbleibenden Investitionen wurde die mangelnde interne Verfügbarkeit von Eigenmitteln genannt. Aber auch fehlende externe Finanzierungsmöglichkeiten machten die Unternehmer für das Scheitern des Investitionswunschs verantwortlich.

Unterstützung für KMU

Dabei sind sinnvoll getätigte Investitionen für nachhaltiges Unternehmenswachstum unerlässlich. Das betrifft insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, die auf die Bereitstellung liquider Mittel angewiesen sind. „Diese Unternehmen braucht es für die nachhaltige Entwicklung des Innovationsstandorts Österreich“, betont aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister. Und WKÖ-Generalsekretär Karl-Heinz Kopf fügt hinzu:

"Innovationen sind Wachstumstreiber für unseren Wirtschaftsstandort. Umso mehr ist klar, dass wir gerade auch die innovationsinteressierten Unternehmen besonders ermutigen und unterstützen müssen.“

Aus diesem Grund hat die aws neue Vereinbarungen mit dem EIF (Europäischer Investitionsfonds) beschlossen, die den österreichischen KMU mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Demnach sollen mehr als 2000 kleine und mittelständische Unternehmen in Österreich mit zusätzlichen Finanzierungsmitteln i.H.v. 160 Millionen Euro Unterstützung erhalten. Ferner soll gerade Start-ups und jungen Unternehmern der Zugang zur Kreditaufnahme erleichtert werden. Dazu hat die aws die Vorab-Garantie ins Leben gerufen, die die Verhandlungsposition von Unternehmen im Rahmen von Kreditanträgen zu stärken versucht und so dafür sorgt, dass diesen der Bankkredit aufgrund fehlender Unsicherheiten nicht länger verwehrt bleibt.

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