Finanzierungsformen für KMU: Ein Ratgeber

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Das Thema Finanzierungsformen ist heute für viele KMU von grundlegender Bedeutung. Das hat vor allem zwei Gründe.

Zum einen hat die andauernde Weltwirtschaftskrise neue Realitäten geschaffen. Märkte sind noch volatiler geworden, Banken noch vorsichtiger. Und lohnenswerte Anlagen sind sogar für Grossanleger nur noch mit grösster Mühe zu entdecken. Das hat die Suche nach Kapital zu einem Wettbewerbsaspekt gemacht.

Zweitens hat sich der Finanzierungsmarkt in den letzten zehn Jahren deutlich diversifiziert. Neue Finanzierungsformen, teilweise speziell auf KMU zugeschnitten, erlauben es, den traditionellen Finanzierungsinstituten und dem Firmenkredit den Rücken zu kehren. Doch wie realistisch ist das wirklich? Wir haben für Sie die wichtigsten Aspekte zusammengestellt.

Eigenkapital vs Fremdkapital

Einer der wohl heissesten Streitpunkte besteht in der Frage nach der Art der Quelle einer Finanzierung. Dabei gibt es zwei sich diametral gegenübergestellte Lager:

  • Einerseits diejenigen, die aus der scheinbaren Kredit- und Anlageklemme den Schluss ziehen, dass das Eigenkapital eine Renaissance erleben wird. Tatsächlich spricht dafür, dass Eigenkapital die einzige Quelle für eine Finanzierung ist, auf die Sie unmittelbar und mit absoluter Sicherheit zugreifen können. In ernsten Situationen gibt es keine schnellere und stabilere Kapitalgrundlage.
  • Andererseits diejenigen, welche die Dynamisierung des Finanzmarktes als eine Chance begreifen, Zugriff auf mehr Fremdkapital zu bekommen. Die neuen Finanzierungsformen scheinen tatsächlich eine Demokratisierung herbeigeführt zu haben, welche plötzlich Investitionen ermöglichen, die noch vor Kurzem undenkbar gewesen wären. Auch sind die Konditionen vieler dieser neuen Tools sehr investorenfreundlich und somit ein deutlicher Zugewinn gegenüber dem traditionellen Bankkredit.

Welche der beiden Thesen ist nun richtig? Vielleicht letztendlich beide. Das wird Ihnen gleich im nächsten Abschnitt klar werden, in denen wir Ihnen die neuen Finanzierungsformen vorstellen.

Finanzierungsformen: Blickpunkt Eigenkapital

Wer eine stabile Eigenkapitalausstattung bevorzugt, kann diese mit einer Vielzahl intelligenter Instrumente sinnvoll stärken. Dabei treten die folgenden ganz besonders ins Auge:

  • Factoring: Da dies unser Spezialgebiet ist, nennen wir es selbstverständlich als erstes. Beim Factoring verkaufen Sie eine oder mehrere Forderungen an uns und erhalten den ausstehenden Betrag (abzüglich einer kleinen Gebühr) nahezu sofort ausbezahlt. Mit diesem einfachen, Eigenkapital stärkenden Prinzip ist Factoring zu einer von Experten hochgelobten Finanzierungsform herangereift. Mehr Informationen geben wir Ihnen gerne persönlich am Telefon unter +41 43 321 25 02 oder auch per email an beratung@svea.com.  
  • Leasing: Mit Leasing verteilen Sie die Anschaffungskosten einer Anlage oder Investition über einen längeren Zeitraum. Das schont Ihr Eigenkapital und hat zudem noch einige weitere Vorteile, wie zum
  • Gewinne einbehalten: Dies mag zunächst trivial erscheinen. Denn wer seine Gewinne nicht ausschüttet oder für Investitionen ausgibt, nährt damit recht offensichtlich die Eigenkapitalbasis. Dennoch ist genau diese Finanzierungsform aktuell die wohl beliebteste. Was unter anderem auch daran liegt, dass es in der Schweiz leider nicht, wie beispielsweise in Deutschland, Förderprogramme zum Aufbau von Eigenkapital gibt.

Neben diesen eigenkapitalbezogenen Finanzierungsformen gibt es auch einige sehr attraktive Fremdkapital-Alternativen.

Finanzierungsformen: Blickpunkt Fremdkapital
Zu den derzeit angesagtesten unter den Fremdkapital-Finanzierungsformen gehören zweifelsfrei die drei folgenden:

  • Peer to Peer Lending: Bequem und einfach über das Netz das eigene Projekt finanzieren – wer wünscht sich das nicht? Beim Peer to Peer Lending finden sich viele kleine Investoren zusammen, um genau das zu bewerkstelligen. Der Vorteil: Viele Investitionen, die bei einer Bank keine Chance hätten, werden hier möglich. Und die Bedingungen sind oftmals deutlich kulanter als beim Bankkredit. Andererseits verlangen die Investoren im Gegenzug oftmals auch höhere Renditen. Und der Erfolg eines Antrags hängt sehr stark von einer genauen Kenntnis des Finanzierungsmarkts und der Zielgruppenansprache ab.
  • Mezzanine Finanzierungformen: Venture Capital liegt für die meisten Betriebe ausserhalb der eigenen Möglichkeiten und bedarf darüber hinaus zumeist extrem langer Antragszeiträume. Was noch schwerer wiegt: Man gibt dabei die Kontrolle über das Geschäft ab und kann im Extremfall das eigene Unternehmen verlieren. Mezzanine Finanzierungsformen bilden eine Brücke. Sie fördern Innovationen und stellen hohe Beträge zur Verfügung, stehen aber eher für partnerschaftliches Zusammenarbeiten als aggressives Wachstum. Damit sind Sie für viele technologieorientierte Start-Ups ideal.
  • Mittelstandsanleihe: Auch wenn dieses Instrument in der Schweiz noch eher unterentwickelt ist, so nimmt es doch stetig an Bedeutung zu. Der Grund ist einfach: Die Zinsen sind niedrig, das Konzept ist lukrativ und unkompliziert und man bleibt unabhängig von den Banken. Einziger Nachteil: Emission lohnen sich zumeist erst ab einem Wert von knapp 50 Millionen Franken, wie die NZZ meint. Damit liegt diese Finanzierungsform nicht für alle KMU im Bereich des Möglichen.

Um auf die Frage zurück zu kommen, welche der beiden Wege – über Eigenkapital oder Fremdkapital – der beste ist: Letzten Endes ist eine Kombination aus beiden optimal. Wer geschickt Factoring und Leasing zur Liquiditäsoptimierung einsetzt und die Gewinne gezielt einbehält, ist weniger abhängig von Methoden wie Peer to Peer Lending, kann aber selbstbewusst an Instrumente wie mezzanine Finanzierungsformen oder eine Mittelstandsanleihe herangehen. Und vielleicht wird dann sogar ein Bankkredit wieder interessant und möglich.

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