10 Jahre nach der Finanzkrise

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Wie geht es den Schweizer Banken heute?

Als vor rund einem Jahrzehnt die US-Bank Lehman Brothers Konkurs anmeldete, traf das auch die Schweiz. So sah sich der Staat dazu gezwungen, die Grossbank UBS mit Steuergeldern in Höhe von etlichen Milliarden Franken vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Damals konnte dadurch eine Katastrophe verhindert werden.

15. September 2008: Schockmoment für die Finanzwelt

Elf Jahre ist es nun her, dass das globale Finanzsystem zusammenbrach. Begonnen hatte alles am 15. September, als Lehman Brothers, die viertgrösste Geschäftsbank der USA, infolge einer Immobilienblase pleiteging. Als die US-Regierung sich weigerte, die insolvente Bank zu retten, folgte eine ganze Reihe von Kollapsen grosser Geldinstitute. Der US-Versicherungskonzern AIG, der einer Notverstaatlichung unterzogen wurde, und die Investmentbank Merrill Lynch, die als Tochtergesellschaft in der Bank of America eingegliedert wurde, sind nur zwei Beispiele. Die Probleme beschränkten sich nicht bloss auf die Vereinigten Staaten, auch die Geldinstitute anderer Länder waren betroffen, so dass es innerhalb kürzester Zeit zur globalen Finanzkrise kam. Kreditmärkte froren ein, die Börsenwerte sackten ab und der Interbankenhandel stand mit einem Mal still.

Wie die Schweizer Banken in die Finanzkrise rutschten

Auch die Schweiz kam nicht ungeschoren davon. Tatsächlich gehörten UBS und Credit Suisse, die beiden Schweizer Grossbanken, zu den am stärksten von der Hypothekenkrise betroffenen Finanzinstituten. Das lag einerseits daran, dass die Schweiz viel stärker als andere Länder vom Bankensektor abhängig ist. Noch heute liegt der Anteil der Banken und Versicherungen am BIP hierzulande bei über zehn Prozent. Zudem wurden mit der EU und den USA ausgerechnet die beiden wichtigsten Wirtschaftspartner der Schweiz am stärksten von der Finanzkrise getroffen. Der Wertverlust des US-Dollars und die Krise im Euroraum führten schliesslich dazu, dass der Schweizer Franken als „sicherer Hafen in unsicheren Zeiten“ eine enorme Aufwertung erfuhr. Das führte unweigerlich dazu, dass die Preise für Exportgüter massiv anstiegen.

Der Druck auf die Schweizer Banken kam aber nicht nur von aussen. Schlechte Firmenführung war der Hauptgrund für deren Krise. So hatte die UBS während der letzten zehn Jahre vor der Finanzkrise eine äusserst riskante, bis dato aber erfolgreiche Expansionsstrategie in den USA verfolgt. Es wurde massiv in Subprime-Kredite investiert ohne über das entsprechende Know-how im US-Zinsgeschäft zu verfügen. Gleichzeitig hatte die Credit Suisse intensiv mit Lehman-Papieren gehandelt. Als die US-Investmentbank am 15. September ihren Bankrott erklärte, verloren diese Papiere mit einem Mal ihren gesamten Wert. Entsprechend dramatisch wäre ein Zusammenbruch der Schweizer Banken ausgefallen, die gemeinsam rund 60 Prozent der Marktanteile für KMU Kredite in der Schweiz hielten. Alleine der Zusammenbruch der UBS hätte die Ersparnisse von einer Million Privatkunden und 300.000 Unternehmenskonten kosten können.

UBS – too big to fail

Während es der Credit Suisse gelang, ihr Fortbestehen ohne direkte staatliche Unterstützung zu sichern, hätte die UBS ohne Hilfe vom Staat vermutlich nicht überlebt. Da Letztere systembedingt als „too big to fail“ galt, musste die grösste der Schweizer Banken zwangsläufig vom Staat gestützt werden. Am 16. Oktober 2008 stellten SNB und Regierung ihren Hilfsplan zur Rettung der UBS vor, der eine Kapitalspritze i.H.v. 6 Milliarden Franken vom Bund umfasste. Darüber hinaus erklärte sich die SNB dazu bereit, der UBS illiquide Wertpapiere im Umfang von rund 60 Milliarden Franken abzukaufen. Zwar ging die UBS mit einem Defizit von 20 Milliarden Franken aus dem Geschäftsjahr 2008, was den grössten Verlust des Unternehmens seit Beginn seiner Tätigkeiten markiert. Das Schlimmste, nämlich den Bankrott der UBS, konnte man aber verhindern.

Die Schweizer Banken zehn Jahre nach der Krise

Nach ihrem tiefen Sturz musste die UBS auf einen nachhaltigeren Kurs setzen und eine umfassende Restrukturierung in Angriff nehmen. Seitdem hat sich jedoch einiges getan und die UBS konnte deutlich an Stabilität zurückgewinnen.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass das Schweizer Bankensystem heute krisenbeständiger als damals ist. Die Grossbanken sind zwar noch immer „too big to fail“ und stellen somit ein Risiko für die Volkswirtschaft dar. UBS und CS sind aber mit so viel Eigenkapital und Liquidität ausgestattet, dass sie ihre Auflösung im Krisenfall selbst tragen können sollten. Zusätzlich haben die beiden Geldhäuser ihre Bilanzen verkürzt, ihrem Risikomanagement grössere Bedeutung beigemessen und sich vorrangig auf das Vermögensverwaltungsgeschäft und den Schweizer Markt fokussiert. Dem Investment Banking kommt mittlerweile nur noch eine untergeordnete Rolle zu. Bei der Realisierung dieser Massnahmen spielten nicht zuletzt die Umsetzung internationaler Vorschriften und das zusätzliche Erlassen eigener Gesetze (z.B. des FIDLEG) eine grosse Rolle.

So kann man sagen, dass es der Schweizer Wirtschaft zehn Jahre nach der Krise gut geht. Die Schweiz gehört zu den wenigen Ländern, deren BIP im Jahr 2017 über dem Niveau von 2007 lag. Investitionen werden sowohl privat als auch öffentlich gerne getätigt. Was bleibt, ist die Sorge darum, ob die Schweizer Grossbanken es tatsächlich schaffen würden, sich im Krisenfall ohne staatliche Mittel zu retten. Denn der Handlungsspielraum der SNB ist längst nicht mehr so gross wie damals. Ob das funktioniert, wird sich spätestens mit der nächsten Finanzkrise zeigen.

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